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Groß Laasch - Löscharbeiten unter Beschuss

31.12.2018

Bei dem viertägigen Waldbrand bei Groß Laasch kämpften die Brandschützer der Freiwilligen Feuerwehr
unter gefährlichen Bedingungen gegen die Flammen

Zwei Feuerwehrmänner in voller Schutzmontur rücken Schritt für Schritt durch das trockene Unterholz bei Groß Laasch vor, wuchten den Wasserschlauch hinter sich her. Wenige Meter vor ihnen lodern die Flammen. Plötzlich knallt es – Gewehrgeschosse. Die Männer sind von der Freiwilligen Feuerwehr Groß Laasch und die zündenden Projektile aus einem vergangenen Krieg.

Den 21 Brandschützern der Wehr, die zur Alarmierung ausrückten, war nicht klar, wie gefährlich ihr Einsatz in diesem Juli des Rekordsommers sein würde. „Natürlich ist es immer ein Adrenalinrausch, wenn die Sirene geht. Allerdings dachten wir zuerst an ein normales Feuer“, erinnert sich Wehrführer Mario Lembke. Doch schon nachdem die Einsatzfahrzeuge wenige Meter aus ihrem Gerätehaus gerollt waren, wurde klar: Das wird ein langer Einsatz. „Die schwarze Rauchwolke sahen wir schon von Weitem.“

Dass der Einsatz nicht nur eine lange Zeit in Anspruch nehmen würde, sondern auch das Leben der Brandschützer in ungeahntem Maße bedrohte, ist ihnen zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Mit zwei weiteren Wehren rückten die Blauröcke aus, kamen bei der Brandstelle – einem Kiefernwald – an und starteten die Löscharbeiten. „Stück für Stück wurden weitere Wehren nachalarmiert, bis schließlich der gesamte Landkreis Ludwigslust-Parchim im Alarmzustand war“, berichtet Amtswehrführer Dirk Hochschild.

Das spürten auch diejenigen Kameraden, die trotz des Alarmzustandes zur Arbeit fuhren. „Wer sich dem Arbeitgeber verpflichtet fühlte und hinfuhr, wurde oftmals schief von diesem angesehen. ,Solltest du nicht lieber zu Hause sein und deinen Ort beschützen’ hieß es dann“, erzählt Lembke. Den Einwohnern von Groß Laasch schwappte eine Welle der Solidarität entgegen. Entsprechend motiviert gingen die Freiwilligen trotz der Sommerhitze an die Glutnester – bis es knallte. „Nachdem die ersten Detonationen zu hören waren, wurde sofort der Rückzugsbefehl gegeben. Alle raus!“, sagte der Wehrführer. Dabei wurden ganze Teile der Ausrüstung in dem Waldstück zurückgelassen. „In erster Linie ging es um das Schützen von Leib und Leben. Niemandem ist etwas passiert“, so Amtswehrführer Hochschild.

Zurückgezogen und auf andere, spezialisierte Kräfte wartend, wurde die Situation für die Kameraden der Wehr zur Qual. „Ich fühlte mich schon etwas hilflos, enttäuscht“, sagt der stellvertretende Wehrführer, Pascal Raßmann. Das Gefahrengebiet konnte er nur aus der Ferne betrachten. „Man ist Feuerwehrmann, es brennt und man kann nichts dagegen machen.“ Schwere Löschpanzer eines Privatunternehmens rückten später dem Feuer mit Stahl und Wasser zu Leibe, während sich die alarmierten Wehren nach und nach wieder in ihre Heimatorte zurückzogen. „Andererseits war da wirklich ein mulmiges Gefühl, mit der ganzen Munition im Boden.“ Beim Betrachten der großen Granaten im Nachhinein ein berechtigtes Gefühl.

Die Munition stammt vermutlich von deutschen Wehrmachtssoldaten, die sich ihrer Waffen auf der Flucht vor der Roten Armee in den Wäldern entledigten. Missglückte Vernichtungen der Waffen könnten ein Grund für die weite Streuung der Munition sein, vermuten die Brandbekämpfer. „Grube auf, Waffen rein, Granate hinterher.“ Das Resultat waren nicht zersplitterte Waffen, sondern ein Teppich aus explosiver Munition. Und von der hat niemand gewusst. „Auf den Karten, die ich habe, ist dieses Gebiet nicht als munitionsbelastet vermerkt“, sagt Hochschild.

Das werde nun zwar geändert und neue Karten im kommenden Jahr ausgegeben; im vorliegenden Fall hätte es aber brenzlig enden können.

Eine Mitschuld sieht Hochschild allerdings bei den Landwirten. „Hätten diese zum Wald hin eine drei Meter breite Schneise Boden umgepflügt, wäre das Feuer nicht vom Stoppelfeld in den Wald gekrochen.“ Auch Forstbetriebe sieht er in Zukunft in der Pflicht. „An Wasser war schwer zu gelangen – der Forst könnte mit Saugbrunnen nachhelfen.“

Im Fall Groß Laasch sieht Hochschild das größte Problem aber beim ehemaligen Kriegsgerät. „Hätte die Munition uns nicht daran gehindert, hätten wir das Feuer mit den eigenen Kräften löschen können“, ist der Amtswehrführer überzeugt. Für die Zukunft wünschen sich die Brandschützer, die in diesem Jahr zu bereits 22 Einsätzen gerufen worden sind, keine solcher Überraschungen. „Schließlich sind wir Leute, die vor dem Einsatz noch bei der Familie saßen und auch wieder zu dieser zurück wollen“, so Mario Lembke.

 

Tore Degenkolbe

SVZ am 29.12.2018

 

Foto: Groß Laascher Wehrführung Mario Lembke und Pascal Raßmann