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Groß Laasch - Von Pubertisten und Trutschnasen

21.06.2019

Mit dem Stück „Verhext und durchgedreht“ verwandelt sich der Pfarrgarten in Groß Laasch wieder in eine Theaterbühne

Genüsslich sitzt Rapunzel in ihrem Zimmer und zieht immer wieder ihre Bürste durch ihr langes Haar. „Oh Mutti, was willst du denn jetzt hier“, sagt Rapunzel – sichtlich genervt. Mutti bringt die Wäsche ins Zimmer der Jugendlichen, bittet das Töchterchen, einfach mal wieder das Zimmer aufzuräumen. Das aber scheint Rapunzel überhaupt nicht zu interessieren, bürstet ihr Haar mit stoischer Ruhe weiter. „Ich kann nichts dafür: Ich hab Pubertät“, sagt Rapunzel.

Diese Szene ist eine von vielen beim diesjährigen Groß Laascher Sommertheater im Pfarrgarten der Gemeinde. Rapunzel – gespielt von Jana Podlipnik – hat alles andere als Bock darauf, auch nur einen Handschlag im Haushalt zu machen. Sichtlich verärgert ist Mutti. Eigentlich übernimmt Anja Meyer die Rolle, doch bei der letzten Probe im Pfarrgarten, ist sie verhindert. Dietlinde Schmidt springt ein. Übernimmt bei der Probe schnell mal eine Doppelrolle – die Groß Laascherin verkörpert sonst Hubert, Vater der Zwillinge Hans und Gretel.

In dem Stück „Verhext und durchgedreht“ geht es um die Alltagssorgen von Eltern, die sie mit ihren Sprösslingen während der Pubertät durchaus haben können. Die Vorlage liefert erneut ein Grimmsches Märchen – „Hänsel und Gretel“. Der Text aber stammt aus der Feder von Pastorin Sabine Schümann. „Immer Dienstag nach Ostern schreibe in den Text für das Sommertheater“, erzählt Sabine Schümann. Sie führt auch Regie. „Nach der ersten Lesung kommt die Kritik, danach schreibe ich um“, so die Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Groß Laasch/Lüblow-Wöbbelin. Danach beginnt das Proben – mal mit, mal ohne Kostüme. Die liefert Agnes Tröster. Und zwar immer so, dass die Kleider für alle Schauspieler gut angepasst werden können.

Aus einer Laune heraus entstand nach dem traditionellen Krippenspiel für Erwachsene die Idee, auch im Sommer mal etwas zu machen. Nach und nach wurden die ersten Grimmschen Märchen von Sabine Schümann ironisch-humoristisch als Theaterstück verfasst – ob „Rotkäppchen“, „Die Bremer Stadtmusikanten“ oder „Der Wolf und die sieben Geißlein“, kein Märchen ist vor der spitzen Feder von Sabine Schümann sicher. Den Schauspielern wie auch dem Publikum gefällt es. Und das seit Jahren.

Nach und nach schlüpfen die Schauspieler, zu denen auch Carina Schäfer, Markus und Cathy Tiede, Daniela Frese-Ihde, Sandy Steinbrecher sowie Raimo Reinke zählen, in ihre Rollen. Der Text sitzt noch nicht bei allen, ein wenig Zeit zum Auswendiglernen bleibt allen aber noch. Sandy Steinbrecher übt derweil fleißig, wie sie ihr Smartphone hält. „Hallo Leute“, ertönt es im Pfarrgarten. Prinzessin Bobo alias Sandy Steinbrecher dreht gerade ein Video. Ihr „Pappili“ aber nervt dabei immer wieder. Er kann mit dem ganzen Internetkram nichts anfangen. Wie schon Rapunzel, Hans und Gretel flüchtet auch Prinzessin Bobo aus ihrem Zuhause. Und landet bei der Hexe im Märchenwald, die jetzt vegan lebt und keine Kinder mehr frisst, wie sie erzählt. Aber „fressen sagt man nicht“, wird sie jeden Tag aufs Neue von den Jugendlichen erinnert. Langsam wächst der Hexe das alles über den Kopf. Sie kann nicht mehr. „Ich habe Burnout und bin auf unbestimmte Zeit erstmal raus“, sagt sie.

Warum die sogenannten Trutschnasen, wie Putzfrau Minna die Pubertisten auch nennt, der Hexe den letzten Nerv geraubt haben, und warum sich Vater Hubert lieber ein Einhorn angeschafft hätte, das erfahren alle Zuschauer des diesjährigen Sommertheaters am kommenden Sonntag, 23. Juni, ab 15 Uhr im Pfarrgarten Groß Laasch. Da entscheidet sich auch, ob Pastorin Sabine Schümann wieder einmal für ihre Schauspieler kochen muss. Schließlich steht noch eine Frage unbeantwortet im Raum: Kommen 250 Zuschauer, oder nicht?

Sabrina Panknin

SVZ am 19.06.2019

 

Foto: Alle werden Internetstars – auch diejenigen, die es nicht wollen. Szene aus dem neuen Stück „Verhext und durchgedreht“.